Die Ankunft
Der andere Himmel (Teil 1)
Die Welt fühlte sich falsch an. Jonathan Archer erschien wie aus dem Nichts mitten in den schneebedeckten Ruinen eines ehemaligen Militärstützpunktes. Er blickte sich um. Archer hatte erwartet, eine gebrochene Welt vorzufinden. Was er nicht erwartet hatte, war die Stille.
Die Dämmerung setzte bereits ein.
In der Ferne funkelten die Lichter einer Siedlung. Langsam richtete er sich auf. Schnee knirschte unter seinen Stiefeln. Die Luft war schneidend kalt.
Montana. Die Erde. Welches Jahr war gerade? Er sah in den dunkler werdenden Himmel. Vereinzelt blitzten die ersten Sterne auf.
Er steuerte auf die Lichter zu. Dort würde er Antworten finden.
Die verrosteten Überreste eines ausgebrannten Militärfahrzeugs neben dem Weg erzählten die Geschichte eines längst vergangenen Krieges. Daneben ragten die Mauern eines zerstörten Wohnhauses aus dem Boden. Nur die Hälfte des Gebäudes stand noch, das Innere lag offen wie eine aufgeschnittene Puppenstube. Im ersten Stock erkannte Archer ein Kinderzimmer. Zerborstene Möbel. Ein umgestürzter Stuhl.
Er wandte sich ab. Die Bewohner des Hauses waren nach dem Krieg nicht zurückgekehrt. Vielleicht waren sie tot. Oder in einem der unzähligen Flüchtlingslager gestrandet. Archer schüttelte kurz den Kopf. Sie waren gescheitert. Scheitern verdiente kein Mitgefühl.
Archer kam an einem Straßenschild vorbei. Frontage Road. Dahinter ein Pfeil in Richtung Süden mit der Aufschrift „Belgrade / Montana“. Er überprüfte den Namen auf dem Bildschirm eines silbernen Pads und nickte knapp. Der Ort stimmte.
Aus dem Inneren des nächsten Hauses drang ein schwacher Lichtschein durch die Fenster. Kein Glas, nur eine dünne Folie schützte die Bewohner vor der Kälte. Rauch stieg aus einem improvisierten Kamin. Archer nahm eine Bewegung beim Eingang wahr und ging instinktiv in Deckung.
Ein älterer Mann öffnete vorsichtig die Tür und sah sich um.
„Hallo? Ist da jemand?“, fragte er.
Archer umklammerte seine Phaserpistole und hielt den Atem an.
Der Mann entdeckte ihn trotzdem.
„He, Sie“, sagte er ruhig. Keine Angst in der Stimme. Keine Warnung. Nur das Wort. „Brauchen Sie Hilfe?“
Archer richtete sich langsam auf, die Hand noch an der Phaserpistole. Er musterte den Mann. Siebzig, vielleicht älter. Abgemagert, aber aufrecht. Die Augen wach.
Keine Bedrohung. Er steckte die Waffe weg, behielt aber die Hand am Phaser.
„Nein“, sagte Archer knapp.
Der alte Mann nickte, als wäre das eine vollkommen akzeptable Antwort. Er machte keine Anstalten, wieder ins Haus zu gehen.
„Welches Jahr haben wir?“ fragte Archer.
„2063.“ Der Mann sah ihn kurz an, ohne die Frage zu kommentieren. „April.“
Archer nickte. Er rechnete kurz nach, fast automatisch.
„Zehn Jahre nach dem Dritten Weltkrieg“, murmelte er. Mehr zu sich selbst als zum Mann.
Der alte Mann hörte es trotzdem.
„Dritter Weltkrieg.“ Er wiederholte die Worte langsam, als würde er sie zum ersten Mal hören. „Vermutlich werden die Historiker das irgendwann so nennen.“ Eine kurze Pause. „Wir haben es einfach den Krieg genannt.“
Archer sah ihn an. Sagte nichts.
Der alte Mann nickte noch einmal - ein kleines, abschließendes Nicken - und verschwand wieder im Haus. Die Tür schloss sich leise.
Archer stand in der Kälte und starrte auf die geschlossene Tür. Erst jetzt nahm er die Hand von der Waffe weg.
Die Straße war nur provisorisch repariert. Er lief weiter. Asphalt, der irgendwann gesprengt worden war, dann notdürftig mit Schotter und Betonbrocken aufgefüllt. Jemand hatte sich Mühe gegeben. Nicht viel, aber genug.
Die Lichter der Siedlung wurden größer.
Ein paar Gebäude standen noch aufrecht. Andere waren notdürftig geflickt - Holzbretter vor Fensterhöhlen, Planen als Dächer, provisorische Kamine aus zusammengeschweißtem Blech. Dazwischen Menschen. Nicht viele. Eine Frau, die Holz stapelte. Zwei Kinder, die in der Kälte rannten, ohne ersichtlichen Grund. Ein Mann, der ihn kurz ansah und dann wegschaute. Die Frau mit dem Holz gab einem Mann etwas ab, den sie offensichtlich nicht kannte. Der Mann nickte. Keine Quittung. Keine Gegenleistung. Archer wandte sich irritiert ab.
Er sah keine Wachen. Das war das Zweite, was auffiel.
Colonel Green hatte nach dem Krieg ganze Arbeit geleistet. So stand es in den Geschichtsbüchern. Kein Chaos, keine endlosen Diskussionen darüber, wie man weitermacht. Klare Ansagen. ‘Nie wieder Krieg’ war sein Credo. Maximale Kontrolle. Eine Menschheit unter einer Führung. Wer sich fügte, wurde Teil des Wiederaufbaus. Wer nicht, wurde überzeugt. Auf die eine oder andere Art. Das Ziel war zu wichtig, um Rücksicht auf Befindlichkeiten zu nehmen.
Wo waren die Truppen von Green hier? Verdammt, sie mussten hier sein!
Montana. Das war mitten im Nirgendwo. Greens Einfluss hatte vielleicht nie bis hierher gereicht. Das würde erklären, warum die Siedlung so unorganisiert wirkte. So offen.
Archer schüttelte den Kopf. Blickte in die Gesichter der vorbeieilenden Menschen.
Die Leute wirkten nicht wie jemand, die Colonel Greens Vision teilten. Er sah keine Angst in ihren Augen. Stattdessen erkannte er etwas anderes. Fast so etwas wie Hoffnung.
Was ist hier los?, dachte er.
Er wusste keine Antwort. Nur das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Ein kleiner, hartnäckiger Fehler in einer Rechnung, den er noch nicht benennen konnte.
Er schob den Gedanken beiseite.
Erst brauchte er eine Unterkunft. Er musste sich einen Überblick über die Lage verschaffen. Morgen müsste er schauen, ob die Soldaten des Widerstands schon hier waren. Und er musste nach Bozeman, in den Nachbarort. Dort würde er die Zielperson finden.
Das Gebäude am Ende der Straße war größer als die anderen. Früher einmal ein Gemeindehaus, vielleicht. Oder eine Schule. Über dem Eingang hing ein handgeschriebenes Schild, das Archer im Dämmerlicht kaum entziffern konnte.
Belgrade Community Shelter. Alle willkommen.
Er blieb kurz stehen.
Alle willkommen. Das roch geradezu nach einer Falle. Aber er hatte keine andere Wahl. Er legte die Hand auf den Phaser und trat ein.
Drinnen war es wärmer als erwartet. Holzöfen, mindestens zwei. Lange Tische, an denen Menschen saßen - vielleicht dreißig, vielleicht mehr. Manche aßen. Andere unterhielten sich leise. Ein Kind schlief auf einer zusammengerollten Decke in der Ecke, unbeeindruckt vom Lärm.
Archer blieb in der Tür stehen und ließ den Blick wandern.
Keine Wachen drinnen. Keine Rangordnung, die er erkennen konnte. Niemand, der den Raum kontrollierte.
„Zum ersten Mal hier?“
Er drehte sich um. Eine Frau, Mitte vierzig. Dunkle Haare, zurückgebunden. Pragmatisch gekleidet - das was funktionierte, nicht das was gefiel. Sie hielt einen Schöpflöffel in der Hand und sah ihn an. Nicht misstrauisch. Nicht einladend. Einfach abwartend.
„Ja“, sagte Archer.
„Woher kommen Sie?“
„Aus dem Osten.“ Eine Lüge, die nah genug an der Wahrheit war.
Sie nickte, als wäre das eine vollständige Antwort. „Ich bin Mara. Wir haben heute Nacht leider kein Bett mehr frei. Tut mir leid. Aber gegessen haben Sie sicher noch nicht.“
Es war keine Frage.
Er setzte sich an das Ende eines langen Tisches, etwas abseits. Mara stellte eine Schüssel vor ihn hin. Suppe, dunkel, mit Gemüse, das er nicht identifizieren konnte. Er aß. Es war warm.
Er beobachtete den Raum. Alte Gewohnheit.
Es passierte schnell.
Archer bemerkte den Mann schon vorher - Ende dreißig, eingefallene Wangen, Augen die zu viel gesehen hatten und seither nicht mehr zur Ruhe kamen. Er saß drei Plätze entfernt und aß nicht. Er beobachtete.
Dann trafen sich ihre Blicke.
Archer sah, wie sich etwas in dem Mann veränderte. Langsam, fast unmerklich. Die angespannten Kiefermuskeln. Die Hände, die die Tischkante umklammerten.
Dann sprang der Mann auf. Die Schüssel flog durch die Luft, Suppe spritzte über den Boden. Mehrere Menschen fuhren erschrocken zurück.
„Sie sind hier!“ Der Mann starrte Archer an, der Finger ausgestreckt, die Stimme schrill und gleichzeitig irgendwo weit weg. „Sie sind hier um uns zu holen! Der Krieg - er ist wieder da, sie schicken sie wieder, sie...“ Er schluckte, rang nach Luft. „Sie. Sie sind der Krieg.“
Der Raum war still geworden. Das Kind in der Ecke weinte lautlos.
Archer hatte den Phaser in der Hand, bevor er bewusst entschieden hatte, ihn zu ziehen.
Dann war Mara schon dort.
Sie trat in den Raum zwischen Archer und den Mann. Ruhig, ohne Hast, als wäre das der selbstverständlichste Weg durch ein Zimmer.
„Thomas.“ Kein Befehl. Kein Flüstern. Einfach sein Name.
Der Mann sah sie an. Sein Atem ging stoßweise.
„Ich bin hier“, sagte sie. Sonst nichts.
Irgendwo in dem Mann schien eine Feder nachzugeben. Die Schultern sanken. Die Augen - eben noch weit aufgerissen - füllten sich mit etwas, das nach Erschöpfung aussah. Er ließ sich zurück auf die Bank sinken, das Gesicht in den Händen.
Mara blieb einen Moment neben ihm stehen. Sie legte kurz die Hand auf seine Schulter. Dann begann sie ruhig, die Scherben aufzusammeln.
Jemand brachte einen Lappen. Jemand anderes holte Thomas eine neue Schüssel. Der Raum begann sich langsam wieder zu rühren, als wäre nichts gewesen.
Archer steckte langsam den Phaser weg.
Mara richtete sich auf und kam auf ihn zu. Ihr Blick streifte kurz seine Hand. Sie lag noch am Gürtel, dort wo die Waffe gesessen hatte.
„Entschuldigen Sie“, sagte sie ruhig. „Er hat es nicht so gemeint. Der Krieg steckt noch in ihm.“ Eine kurze Pause. „In vielen von uns.“
Sie sagte es ohne Vorwurf. Auch ohne Frage.
Archer sah sie an. Sagte nichts.
Mara strahlte Autorität aus. Ohne eine Waffe gezogen zu haben oder auch nur laut geworden zu sein, hatte sie die Situation gelöst. Er erkannte das Problem des Mannes. Er war ein psychisches Wrack. Gebrochen vom Krieg. Passierte vielen. Sie waren schwach. Aber warum war er da? Solche Leute hatten keinen Platz in Colonel Greens Vision für eine bessere Welt. Mara – und die anderen hier – schienen sich um den Mann zu kümmern. Verschwendung von Ressourcen würde Green sagen.
Er wusste nicht, wie das hier funktionierte. Aber es hatte etwas zu bedeuten.
Mara räumte noch eine Weile ab, sprach kurz mit Thomas, der inzwischen still in sich zusammengesunken an seinem Tisch saß. Dann kam sie zurück zu Archer.
„Ich hab nachgedacht“, sagte sie. „Wir haben wirklich kein Bett. Aber ich wohne fünf Minuten von hier. Ich hab eine Couch.“ Sie zuckte die Schultern, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. „Falls Sie wollen.“
Archer sah sie an.
Er suchte in ihrem Gesicht nach etwas, das ihm ihre wahren Motive verriet. Was wollte sie von ihm?
„Warum?“, fragte er schließlich.
Mara schien kurz nachzudenken, als hätte sie sich die Frage selbst noch nicht gestellt. „Weil es kalt ist“, sagte sie schließlich. „Und weil Sie irgendwo schlafen müssen.“
Die Wohnung war klein. Sauber, soweit das in dieser Zeit möglich war. Ein Ofen, ein Tisch, zwei Stühle. Bücher, mehr als er erwartet hätte. Ein Foto an der Wand - eine ältere Frau, die in die Kamera lachte. Mara folgte seinem Blick. “Das ist meine Mutter. Shannon Janeway. Sie wohnt in Indiana.”
Sie setzte eine Kanne Tee auf. Archer setzte sich, den Rücken zur Wand, den Blick zur Tür. Alte Gewohnheit.
„Woher kommen Sie? Ich hab sie noch nie hier gesehen“, fragte sie neugierig.
„Von weit weg“, sagte Archer.
Sie nickte. Akzeptierte das. Stellte ihm einen Becher hin und setzte sich ihm gegenüber.
„Und was wollen Sie in Belgrade?“
„Informationen.“ Er machte eine kurze Pause. „Über das Projekt in Bozeman.“
Mara sah ihn an. Etwas in ihrem Blick wurde wacher, aber nicht misstrauisch. „Cochranes Warpflug? Nur wenige wissen davon. Die meisten halten Cochrane für einen Spinner und das Projekt für hoffnungslos. Wo gehören Sie da hin?“
„Ich finde es... interessant.“
„Ich arbeite dort. Also wenn ich nicht gerade obdachlosen Reisenden eine Unterkunft anbiete. Logistik, Organisation.“ Sie umschloss den Becher mit beiden Händen. „Was wollen Sie wissen?“
Archer antwortete nicht sofort. Er beobachtete sie und ignorierte ihre Frage.
„Wie lange leben Sie schon hier?“, fragte er stattdessen.
„Drei Jahre.“ Eine kurze Pause. „Ich habe mit meiner Mutter in Indiana gewohnt. Nach dem Krieg wollte ich weg. Überall Erinnerungen.“ Sie sagte es ohne Drama. Nur als Tatsache. „Und dann hab ich gehört, was Cochrane baut. Da wollte ich dabei sein.“
„Warum?“
Sie dachte kurz nach. „Weil zum ersten Mal seit Jahren etwas entsteht. Und nicht nur Trümmer aufgeräumt werden.“ Ein kleines Lächeln. „Das reicht mir.“
Archer nippte an seinem Tee. Dann, beiläufig, den Ton gehalten: „Wie war das hier, nach dem Krieg? Colonel Greens Arbeit - haben Sie das mitbekommen?“
Die Veränderung in Maras Gesicht war subtil. Nicht Angst. Eher so etwas wie Abstand. Als würde sie einen Schritt zurücktreten, ohne sich zu bewegen.
„Green“, sagte sie ruhig. „Ja. Den kennt jeder.“ Eine kurze Pause. „Zum Glück ist er gescheitert.“
Archer hielt den Becher still.
„Gescheitert“, wiederholte er.
„Er hat 37 Millionen Menschen auf dem Gewissen. Eugeniker, Fanatiker. Alles im Namen des Wiederaufbaus.“ Maras Stimme blieb ruhig, aber der Satz hatte Gewicht. „Wenn er sich durchgesetzt hätte, wüsste ich nicht, ob wir heute hier sitzen würden. Ob irgendjemand hier sitzen würde.“
Archer sagte nichts.
In den Geschichtsbüchern war Green der Mann, der die Erde gerettet hatte. Ordnung aus dem Chaos. Stärke aus den Trümmern. Das stand so geschrieben - und niemand stellte es infrage.
Diese Frau sprach von demselben Mann. Und meinte jemand anderen.
Oder er selbst kannte jemand anderen.
Er wusste nicht, welche Möglichkeit beunruhigender war.
„Und bei Ihnen?“, fragte Mara. „Was haben Sie nach dem Krieg erlebt?“
Archer sah sie an. „Etwas anderes“, sagte er ausweichend.
Sie nickte langsam. Fragte nicht weiter.
Der Ofen knisterte. Draußen war es still geworden, nur der Wind bewegte sich noch durch Belgrade.
Archer starrte auf seinen Becher und dachte an Green. An die Geschichtsbücher. An Thomas in der Unterkunft, der ihn angeschrien hatte: Sie sind der Krieg. Irgendwo in einer Rechnung, die er noch nicht benennen konnte, stimmte etwas nicht.
Der nächste Morgen kam mit klarem Himmel und beißender Kälte.
Mara hatte bereits Kaffee gemacht. Dunkel, bitter, aber heiß. Sie stellte ihm einen Becher hin, ohne zu fragen, ob er wollte.
Sie gingen zu Fuß. Zehn Meilen nach Bozeman, aber Mara kannte einen kürzeren Weg - durch Felder die einmal bewirtschaftet worden waren, an einem gefrorenen Bach entlang.
Archer ging neben ihr und schwieg. Auch Mara sagte kein Wort. Aber es war kein unangenehmes Schweigen.
Nach einer Weile sagte sie: „Sie schlafen schlecht.“
„Alte Gewohnheit“, sagte Archer.
„Der Krieg?“
„So ähnlich.“
Sie nickte. Fragte nicht weiter. Das hatte er an ihr bemerkt - sie ließ Dinge stehen, wenn sie spürte, dass jemand nicht bereit war. Nach seiner Erfahrung war Schweigen eine Waffe. Bei Mara schien es etwas anderes zu sein.
Bozeman lag im Tal, größer als Belgrade, aber nicht weniger zerstört. Mara führte ihn durch die Stadt, bergauf, zu einem flachen Areal am Stadtrand.
Archer sah die Phoenix zum ersten Mal.
Er blieb stehen.
Das Schiff stand auf einer improvisierten Startrampe aus Stahl und Beton. Kleiner als erwartet. Älter. Die Außenhülle trug die Spuren von Reparaturen und Kompromissen. Und trotzdem war da etwas. Eine Logik in der Konstruktion. Eine Absicht.
„Beeindruckend“, sagte Archer, bevor er es verhindern konnte.
„Ja“, sagte Mara einfach.
Ein Mann kam auf sie zu - ungepflegt, eine Flasche in der Hand, die er schnell hinter dem Rücken verschwinden ließ. Groß, breitschultrig, mit dem Gesicht von jemandem, der aufgehört hatte, auf sich zu achten.
„Mara.“ Er nickte ihr zu. „Wer ist das?“
„Jemand der sich für das Projekt interessiert.“ Sie zögerte kurz. „Er heißt...“
„Jones“, sagte Archer. „John Jones.“
Cochrane musterte ihn. Die Augen waren wach trotz allem. „Interesse ist gut. Geld wäre besser.“ Er grinste schief und wandte sich ab.
Mara zeigte ihm das Gelände. Archer beobachtete Cochrane der am Rand stand und in die Ferne schaute, die Flasche wieder in der Hand.
„Er trinkt viel“, sagte Archer.
„Er hat im Krieg viel verloren. Wie wir alle.“ Eine kurze Pause. „Aber er ist der einzige der das hier wirklich versteht. Ohne ihn gibt es keinen Flug.“
Archer nickte. Er dachte an seinen Auftrag. An die Widerstandskämpfer, die irgendwo hier waren - oder bald sein würden.
Er wandte sich zu Mara.
„Ich muss Ihnen etwas sagen. Ich bin nicht zufällig hier.“ Er wählte die Worte sorgfältig. „Ich habe Informationen dass jemand versuchen wird, Cochrane aufzuhalten. Ich bin hier um das zu verhindern.“
Mara sah ihn an. „Wer schickt Sie?“
„Colonel Green persönlich“, sagte Archer. „Er hält das Projekt für strategisch wichtig.“
Mara erstarrte.
Keine dramatische Bewegung. Eher das Gegenteil. Sie wurde völlig still. Als hätte jemand eine Maschine abgestellt.
„Green“, sagte sie. Zu ruhig.
„Er glaubt an...“
„Green hat 37 Millionen Menschen auf dem Gewissen.“ Sie wiederholte es so wie sie es gestern Nacht gesagt hatte. Ohne Drama. Mit Gewicht. „Und Sie arbeiten für ihn.“
Sie drehte sich um und verschwand zwischen den Gebäuden. Archer sah ihr nach, bis sie zwischen den Werkstätten verschwand.
Er hätte ihr folgen können. Er tat es nicht.
Cochrane war die Zielperson. Die Mission hatte Priorität. Persönliche Irritationen waren irrelevant.
Er wandte den Blick zur Phoenix.
Ein Projekt dieser strategischen Bedeutung ohne militärische Sicherung. Ohne erkennbare Befehlskette. Ohne Kontrolle über Personal oder Ressourcen. Green hätte diese Situation längst bereinigt. Schnell. Effizient. Aber hier, in Bozeman, Montana, schien seine Version von Colonel Green nicht zu existieren.
Dann hörte er Stimmen. Von der anderen Seite. Leise, koordiniert, mit der Präzision von jemandem der trainiert war sich unbemerkt zu bewegen.
Unbemerkt von Archer hatten sich drei Gestalten am Rande des Geländes materialisiert. Blaue Haut. Antennen.
Der Anführer hob die Hand. Die anderen blieben stehen. Seine Stimme war ruhig und klar in der Morgenluft.
„Findet Zefram Cochrane.
Und bringt ihn zu mir.“
Das ist Teil eins der dreiteiligen Fan-Fiction Reihe “Der andere Himmel” von Roman Scamoni (@RollingSohn). Die weiteren Teile erscheinen immer Freitag, 16.00 Uhr auf meinem Substack. Falls du mehr von mir lesen möchtest, abonniere meinen Newsletter.
Disclaimer: Star Trek und alle zugehörigen Charaktere sind Eigentum von Paramount Pictures. Diese Geschichte ist ein nicht-kommerzielles Fan-Werk.


Klasse geschrieben und fesselnd. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. 🤗
Toll! Bin echt neugierig, wie es weitergeht.
(Und offenbar habe ich keine Ahnung vom Star-Trek-Universum.)